„Voll schön hier“

Menschen, die nicht mehr richtig sprechen können: „Das war irgendwie ein komisches Gefühl, so etwas zu sehen“, sagt die 14-jährige Eva. Erlebt hat die Schülerin das während einer etwas anderen Schul-AG. Gemeinsam mit neun Mitschülern nahm sie an „Help und Happiness – Junge Begleiter für Menschen mit Demenz“ teil.

Die Teilnehmerinnen der Demenz-AG im Garten des Seniorenheims in Rosendahl-Osterwick. (Julius Schwerdt)

Die Teilnehmerinnen der Demenz-AG im Garten des Seniorenheims in Rosendahl-Osterwick. (Julius Schwerdt)

Die Idee dazu kommt mitten aus dem Münsterland: Kerstin Menker, Birgit Leuderalbert und Gaby Wisseling von „Caritas Pflege & Gesundheit“ aus Ahaus haben die AG entwickelt. „Im Rahmen des Projektes „Teilhabe am Leben für Menschen mit Demenz“ waren wir während der Projekttage an der Sekundarschule in Rosendahl. Dabei stand vor allem die Welt von Menschen mit Demenz im Mittelpunkt“, erzählt Kerstin Menker von den Anfängen. Sie wollten die Schüler in die Erlebenswelt alter Menschen mitnehmen: „Die Schüler zogen einen Alterssimulationsanzug an und bauten Stationen eines Demenz-Parcours nach. Das hat sie wohl ziemlich beeindruckt“, sagt Menker.

So sehr, dass viele Kinder und Jugendliche weitermachen wollten. Bis zur AG-Idee war es von dort kein weiter Weg. Nach einer Werberunde durch die achten und neunten Klassen konnten die drei Pflegeexpertinnen schließlich neun Teilnehmerinnen begrüßen. „Und einen Jungen“, sagt Kerstin Menker mit Stolz, denn das Thema geht Männer genauso an wie Frauen. Die Motivation bei den Jugendlichen ist sehr unterschiedlich. „Einige sind in der Familie mit Demenz konfrontiert und wollen deshalb mehr darüber erfahren“, erzählt Kerstin Menker. Ein weiteres Motiv: Die berufliche Zukunft. „Ich kann mir vorstellen, später in dem Bereich zu arbeiten“, sagt beispielsweise Eva.

Doch wie bringt man 13- bis 15-jährige dazu, sich nicht nur für das Thema Demenz zu interessieren, sondern sie auch am Ball zu halten? „Wenn die Schüler schon freiwillig kommen, dann können wir sie nicht mit Frontalunterricht bestrafen“, formuliert Kerstin Menker die wichtigste Regel bei der Konzeption der AG. Deshalb setzten Menker und Co vor allem auf spielerische und praktische Elemente: Ein Quiz, mehrere kurze Filme und simulierte Arbeitsabläufe aus der Altenpflege. Mit lustigen Folgen: „Als die Schüler sich gegenseitig das Essen angereicht haben, war vor allem großes Gekicher im Raum zu hören“, erinnert sich Kerstin Menker.

Da alle Theorie immer grau bleibt, gab es zum Abschluss einen Ausflug in die Praxis. Genauer: In die Stiftung zu den Heiligen Fabian und Sebastian in Rosendahl-Osterwick. Das Altenheim in dem kleinen Örtchen nördlich von Coesfeld bietet 90 Personen Platz. Pflegedienstleiter Michael Tiltmann zeigt den Jugendlichen auch die besonderen Dinge an der Einrichtung. Ein Beispiel ist der hauseigene Friseursalon. „Der ist auch etwas altertümlicher eingerichtet“, erklärt Tiltmann den Jugendlichen.

Warum das so ist, haben sie zuvor in der AG gelernt. Menschen mit einer Demenzerkrankung fallen in Muster zurück, die sie in früheren Zeiten erlernt haben. Ein modern eingerichteter Friseursalon könnte beunruhigend wirken. „Deshalb stehen auch in der ganzen Einrichtung immer wieder ältere Möbel“, erklärt Michael Tiltmann. Wie lange ist ihm zufolge allerdings fraglich. „Vielleicht müssen wir hier eines Tages Ikea-Möbel hinstellen, weil sich die Bewohner daran besser erinnern können.“

Sichtlich wohl fühlen sich die Schüler, als Michael Tiltmann ihnen den Garten der Einrichtung zeigt. „Voll schön hier!“, sagt eine Schülerin, setzt sich erst einmal auf eine Bank und verschafft sich einen Überblick. Neben unterschiedlichen Obstbäumen sieht sie im Garten ein Gemüsebeet und eine Voliere mit Wellensittichen. Tiltmann erklärt den Schülern, dass diese Gestaltung nicht reiner Selbstzweck ist, sondern auch therapeutische Ziele damit verbunden sind. Vor allem die Vögel sind eine willkommene Abwechslung im Alltag.

Wenig später ist die Führung vorüber. Die Schüler gehen nach Hause. Für Kerstin Menker Gelegenheit die vergangenen Wochen Revue passieren zu lassen: Die Anfänge bei den Projekttagen, die Stunden im Meditationsraum der Schule und die Führung zum Abschluss. Ihr Fazit: „Ich würde es sofort noch einmal machen.“

Quelle: Caritasverband für die Diözese Münster e.V., Julius Schwerdt

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